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19.11.2017, 12:39 Uhr
Studienreise nach Senegal mit der Internationalen Kommission der JU Deutschlands
Reisebericht von unserem Landesschatzmeister Frank Musseleck

Anfang November durfte ich mit der Internationalen Kommission der JU Deutschlands zu einer Studienreise nach Senegal aufbrechen. Ziel der Reise war es, Einblicke in die Situation der Menschen vor Ort zu erhalten und Beweggründe für die teure, schwierige und langwierige Flucht nach Europa zu verstehen sowie Ansätze zu finden diese Fluchtursachen zu bekämpfen.

 

Während der 4 Tage vor Ort hatten wir Gelegenheit mit dem deutschen und dem israelischen Botschafter zu sprechen und durften bei Treffen mit 2 senegalesischen Ministern Fragen zur Zukunft des Landes stellen. Aber von Anfang an:

Der Senegal ist ein junges, aufstrebendes und interessantes Land. 60% der Senegalesen sind jünger als 20 Jahre. Viele besuchen die Universität und sind verhältnismäßig gut gebildet. Auch von der Entwicklungsreife des Landes war ich beeindruckt. Im Senegal wird niemand wegen seiner religiösen oder politischen Ansichten verfolgt, die Korruption liegt unter dem weltweiten Durchschnitt. Daher teile ich die Einschätzung des BAMF, den Senegal als sicheres Herkunftsland zu definieren.

Besonders beeindruckt war ich von den Gesprächen mit jungen aktuellen und ehemaligen Stipendiaten der KAS. Die Jugendlichen in unserem Alter waren nicht nur sehr diskussionsfreudig, sondern hatten auch einen klaren und realistischen Blick auf ihre aktuelle Situation und Ideen für die Zukunft.

Die Probleme des Senegal liegen vor allem in mangelnder wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit und Technologie. Eine Frauengruppe, die in der Landwirtschaft tätig ist, erzählte, dass 40% der Agrarerzeugnisse wegen mangelnder Technik auf dem Weg zum Hafen verderben. Industrie gibt es im Senegal fast nicht, entsprechend hoch ist die Arbeitslosigkeit. Aus dieser schlechten Perspektive heraus ist es nachvollziehbar, dass die Menschen sich auf den Weg nach Europa machen, wo die Perspektiven scheinbar besser sind.

Führt man sich vor Augen, dass die Bevölkerung in Afrika sich bis 2050 auf 2 Milliarden verdoppeln soll, ist eine humane Katastrophe bereits vorprogrammiert.

Entwicklungshilfe aus Europa erfolgte bisher oft „von oben herab“ und mit dem Gefühl, eine milde Gabe verteilt zu haben. In Zukunft müssen wir Afrika als Wirtschaftspartner mit riesigem Potenzial verstehen. Wenn der Senegal es schafft eine robuste Wirtschaft (mit Europäischer Technologie als Katalysator) aufzubauen, haben die Menschen vor Ort Perspektive und eine Flucht nach Europa wird unattraktiv.

Denn eins ist klar: andere sind auch schon da: Nicht nur dass China einen Fitnesspark in Dakar gebaut hat bei dem Marx und Engels in Freudentränen ausbrechen würden. Nein, die Maut-Autobahn vom Landesinneren an den Hafen von Dakar wurde auch in Peking geplant und von chinesischen Arbeitern gebaut. Ein Schelm wer Böses dabei denkt….

 
Ich danke der Konrad Adenauer Stiftung und ganz besonders Thomas Volk aus dem Büro in Dakar, der mit seinem Team eine tolle Agenda entworfen und uns spannende Gespräche ermöglicht hat.